Erfolgreiche Beschäftigung von MitarbeiterInnen mit Behinderungen

Ein Praxisinterview mit Christine Ecker, Betriebsratsvorsitzende dm drogerie markt gmbh - Verteilzentrum Enns

Im Verteilzentrum Enns arbeiten ca. 620 Mitarbeiter*innen, davon 22 die zum Kreis der begünstigt Behinderten zählen. Frau Ecker ist seit 24 Jahren im Unternehmen beschäftigt und nunmehr als freigestellte Betriebsratsvorsitzende aktiv.

Frau Ecker, wie sehen Sie das Thema der Beschäftigung von Mitarbeiter*innen mit Behinderungen bzw. Chronifizierungen?
Frau Ecker: Ich sehe große Unternehmen auch in einem gesellschaftlichen Auftrag. So auch wir von dm, die mit dem Slogan „Hier bin ich Mensch“ dies auch signalisieren. Ein Arbeitsplatz schafft Teilhabe. Dazu braucht es auch eine Grundeinstellung des Unternehmen von oben nach unten. Das ist dabei eine tragende Säule.
Wir im Verteilzentrum Enns beschäftigen beispielsweise eine RollstuhlfahrerIn im Büro. Es ist zwar eine Herausforderung MitarbeiterInnen mit Behinderungen einzusetzen, aber es gelingt mittels Vielfältiger Formen und Strukturhilfen, beispielsweise Arbeitszeitregelungen, rollierende Arbeit, Altersteilzeit, Lohnförderungen die Minderleistung kompensieren. Dabei greifen wir auf externe Player zurück, wie das Betriebsservice, Arbeitsassistenzen oder den sozialökonomischen Betrieb FAB.
Es braucht Ideen und Perspektiven, Know-how im Betrieb, positive Erfahrungswerte und Wollen – das trägt dazu bei MitarbeiterInnen mit Behinderungen erfolgreich zu beschäftigen. Das ist nicht einfach, aber es gelingt uns. Eine positive Grundeinstellung/-haltung und die Sache mit Herz anzugehen ist dabei wichtig. Es gibt bei genauerem Hinschauen Möglichkeiten MitarbeiterInnen mit Behinderungen zu beschäftigen und zu integrieren, denn Behinderungen sind nicht schwarz-weiß sondern sind Graustufen. Es kommt auf die Arbeitsfähigkeit an der jeweiligen Arbeitsstelle an.

Welche Rolle haben Sie dabei als Betriebsrätin?
Frau Ecker: Als Betriebsrätin unterstütze ich die MitarbeiterInnen mit Chonifizierungen und Behinderungen bei Behörden – beispielsweise bei der Beantragung eines Behindertenpasses bis hin zu Seminarangeboten und Unterstützungen. Es kommt auch immer wieder vor, dass ich konkret bestimmte Angebote weiterempfehle (z.B. Beratungsangebote).
Wir haben im Unternehmen ein Commitment zwischen Management und Betriebsrat, dass Anträge zum Kreis der begünstigt Behinderten positiv unterstützt werden. Ich als Betriebsrätin unterstütze die MitarbeiterInnen dabei und begleite sie auch bei Wiedereingliederungsfragestellungen.
Wichtig ist mir die Kommunikation zwischen MitarbeiterIn und Unternehmen. Ich fördere und forderer hier einen transparenten Umgang mit dem Thema.
Da MitarbeiterInnen immer wieder Unterstützung benötigen habe ich Sprechstunden mit Arbeitassistenzen direkt im Unternehmen als Serviceangebot eingeführt.

Sie haben in Enns vor einigen Jahren beim Umbau konsequent auf Barrierefreiheit gesetzt – was steckt dahinter?
Frau Ecker: Wir haben das Bürogebäude umgebaut, aufgestockt und erweitert. Dabei war es uns ein Anliegen dass der Wille des Unternehmens auch sichtbar wird. Das zeigt sich nun in der konsequenten Barrierefreiheit. Wir haben durch die Unterstützung durch das Betriebsservice und eines Barrierefrei-Checks eine gute Möglichkeit geschaffen MitarbeiterInnen mit Behinderungen in Zukunft zu beschäftigen.

Was hat dm in Zukunft vor?
Durch den „Mehr vom Leben Tag“ kommen MitarbeiterInnen an einem Tag, der vom Unternehmen bezahlt wird in Kontakt mit Altersheimen, Kinderbetreuungseinrichtung oder Behinderteneinrichtungen. Somit erfahren sie über Lebenssituationen anderer und können damit besser umzugehen. Dankbarkeit und Demut entsteht und Wichtigkeiten des Lebens werden spürbar.
Wir haben beim Projekt Barrierefreiheit im Jahr 2013 viele Erkenntnisse gesammelt, was bereits gut gelungen ist bei der Beschäftigung von MitarbeiterInnen mit Behinderungen. Viele der entwickelten Maßnahmen wurden im Verteilzentrum bereits umgesetzt.
Nun starten wir österreichweit mit dem Projekt „BARRIEREFREI IM KOPF!“, das 2017 weitere konkrete Schritte bringen wird. Gerade in der Ausbildung für Jugendliche mit Behinderungen können wir noch Entwicklungen machen, wie beispielsweise SPAR in OÖ vorzeigt mit Märkten, die gemeinsam mit der Caritas betrieben werden.
Wenn es uns gelingt intern Up-to-date zu sein beim Thema, erfolgreiche Beschäftigung aufzeigen und ermöglichen und daran aktiv weiterarbeiten habe ich ein gutes Gefühl.